Wenn das Hamsterrad still steht

Ich kann es selbst kaum glauben, es fühlt sich eigenartig an, fast schon verboten, als hätte ich etwas vergessen und rasten und ruhen sind noch nicht drin. Obwohl ich weiß, dass es ist, wie es ist, kann ich es kaum glauben. Ich sitze! Nach 14 Stunden Alltag ist es der erste Moment des Tages, der nur mir gehört. Es fühlt sich an wie ein Geschenk. Ich bin wirklich verdammt dankbar für dieses Gefühl, ich bin nur noch nicht sicher, wem ich diesen Dank eigentlich widmen soll ;-) Und während ich hier so sitze und zwischendurch einfach nur dumm durch die Gegend schaue, denke ich an all die Abende, an denen es diesen Moment gar nicht gab. Und das waren einige in all den Jahren. Ich denke aber auch an all die Powerfrauen, die jetzt noch die Hüften schwingen zwischen Waschmaschine und Spülmaschine, deren Nerven blank liegen bei den Schulaufgaben der Kinder, die sich jetzt noch durch Wäscheberge arbeiten, damit es am nächsten Tag nicht mehr erledigt werden muss. Die sich jetzt, wo die Kräfte eigentlich schon aufgebraucht sind, gemütliches Couching gegen ungemütliches Abarbeiten von "Papierkram" antun. Denn aufgeschoben bleibt in dem Fall aufgeschoben und das endet irgendwann in totalem Chaos. Apropos Chaos, verwüstete Kinderzimmer, verdreckte Waschbecken, herumliegende Schmutzwäsche, nicht ausgepackte Brotdosen, dreckige Schuhe, Geburtstagsplanung,  (egal ob das eigene Kind Geburtstag hat oder als Gast eingeladen ist),  Einkaufslisten und Menu-Planung der nächsten Tage. Das Wochenende will natürlich auch nett gestaltet werden, da kann man sich abends auf die Schnelle einige Inspirationen holen. Wenn all diese Dinge abgehakt sind und sich der Moment anbahnt, endlich die Füße hochzulegen und sinnlos im Handy zu daddeln, kommen ja noch all die ungelesenen Nachrichten, deren Sender mal mehr, mal weniger dringend auf Antworten warten. Ach, und da geht der Alarm beim Babyphone....  Auch wenn sich all die Szenarien anhören wie ausgedacht, das ist die Realität. Und das ist nur die Realität, wenn alle Kinder gesund sind. Denn sind die Kinder krank, kommen Nachtwache, Trösten und kümmern noch obendrauf. So ungefähr schwimmen Millionen Mütter jeden Abend gegen den Berg voll Arbeit, der nach der Arbeit noch wartet. Ungefragt nehmen wir all diese Dinge an. Was bleibt denn auch großartig anderes übrig? Es geht ja nicht um die Debatte, dass der Mann ja auch mal mit anpacken kann. Jeder hat sein Päckchen zu tragen aber das der Mama ist nun mal meistens einen  Ticken schwerer... Und genau deswegen ist dieser Moment, dieser Augenblick des "Nichtstuns" himmlisch! Es ist wie der Lohn des Tages, ja das beschreibt es ganz gut. All diese Stunden geben wir alles, nur um dann diesen Moment des "nichts tun" zu genießen und zwar in vollen Zügen! Niemand darf stören, keine Frage, keine Bitte. Niemand ruft, niemand schreit, niemand sitzt auf mir. Ich bin einfach nur ich. Nur diesen klitzekleinen Moment. Ich bin dankbar, unfassbar dankbar. Und ich merke, dieser Moment des Innehaltens, der Stille ist wichtig. Das Rad steht still aber nur so kann es sich am nächsten Tag wieder weiterdrehen. Gönnen wir uns also diesen Moment, feiern wir ihn. Wir übertreiben nicht, wir machen einen mega Job und sind dankbar in Demut. Dankbar, wenn wir sagen können "ich sitze".... ! Und der Rest läuft in dem Moment sowieso nicht weg ;-)